Zum Inhalt springen

Grundlagen

Herstellung von kolloidalem Silber

Vom chemischen Prinzip bis zum Silbergenerator: So entsteht kolloidales Silber – und worauf es dabei technisch ankommt.

Symbolgrafik: ein Becherglas mit zwei senkrechten Silberelektroden, dazwischen aufsteigende feine Partikel

Kolloidales Silber lässt sich grundsätzlich auf mehreren Wegen herstellen. In der Praxis hat sich für die Heimherstellung ein Verfahren durchgesetzt, während andere Methoden vor allem in der Industrie oder im Labor vorkommen. Dieser Text erklärt zuerst die Verfahren im Vergleich, dann die Elektrolyse im Detail und schließlich, was die viel diskutierte ppm-Angabe tatsächlich aussagt – und was nicht.

Die drei Herstellungsverfahren

1. Elektrolyse (elektrolytisches Verfahren)

Das mit Abstand gängigste Verfahren für die Herstellung zu Hause. Zwei Elektroden aus hochreinem Feinsilber (999er/99,99 %) werden in destilliertes Wasser getaucht und an eine schwache Gleichspannung angeschlossen. Durch den Stromfluss lösen sich winzigste Silberpartikel und -ionen von der positiven Elektrode und verteilen sich im Wasser. Der große Vorteil: Man kann die Konzentration über die Dauer selbst bestimmen.

Streng genommen entsteht dabei meist kein reines Kolloid, sondern eine Mischung: ein Teil des Silbers liegt als gelöste Ionen(Ag+) vor, ein Teil als metallische Partikel. Der Ionenanteil ist bei einfachen Geräten oft deutlich höher als der Partikelanteil. Wer Produkte vergleicht, stößt deshalb auf Begriffe wie „ionisches Silber“ und „echtes Kolloid“ – gemeint ist dieses Mengenverhältnis.

2. Mechanisches Verfahren (Kolloidmühle)

Silber wird mechanisch in einer sogenannten Kolloidmühle zerkleinert und in Wasser dispergiert. Verwandt damit ist die Herstellung per Lichtbogenverfahren, bei dem zwischen zwei Silberelektroden ein Funke überschlägt und Material verdampft, das im Wasser kondensiert. Beide Verfahren spielen in der Heimherstellung keine Rolle und sind technisch aufwendig, liefern aber einen hohen Anteil echter Partikel.

3. Chemisches Verfahren (Reduktion von Silbersalzen)

Hier werden Silbersalze – meist Silbernitrat – chemisch zu elementarem Silber reduziert, oft unter Zusatz eines Stabilisators, der ein Zusammenklumpen der Partikel verhindert. Das Verfahren erfordert Chemikalien und Fachwissen und wird vorwiegend in der Industrie eingesetzt. Es erlaubt sehr enge Partikelgrößenverteilungen, hinterlässt aber Reaktionsrückstände in der Lösung.

VerfahrenWo eingesetztKontrolle über Partikelgröße
ElektrolyseHeimherstellung, kleine Anbietergering – Ergebnis schwankt mit Wasser, Spannung, Dauer
Mechanisch / LichtbogenIndustrie, Speziallaboremittel
Chemische ReduktionIndustrie, Forschunghoch – dafür Zusatzstoffe im Produkt

So funktioniert die Elektrolyse im Detail

Ein Silbergenerator ist im Kern ein Gerät, das eine geregelte, schwache Gleichspannung an zwei Silberelektroden anlegt. Durch diesen Elektrolysevorgang gehen Silberatome als Ionen und feinste Partikel in Lösung.

Schema der Elektrolyse zur Herstellung kolloidalen SilbersEin Becherglas mit destilliertem Wasser, in das zwei Feinsilber-Elektroden tauchen. Beide sind an eine geregelte Gleichspannungsquelle angeschlossen. An der positiven Elektrode (Anode) gehen Silberionen und feinste Partikel in Lösung und verteilen sich im Wasser.Silbergeneratorgeregelte Gleichspannung+KathodeAnodedestilliertes WasserSilberionen und feinste Partikel gehen in Lösung – Dauer und Spannung bestimmen die Konzentration (ppm)
Schema der Elektrolyse: Zwei Feinsilber-Elektroden in destilliertem Wasser, verbunden mit einer geregelten Gleichspannungsquelle. Am Pluspol lösen sich Silberionen und feinste Partikel und verteilen sich in der Flüssigkeit.

Wichtige Einflussgrößen sind:

Woran man den Fortschritt erkennt

Frisch angesetztes Wasser ist klar und leitet kaum Strom. Mit fortschreitender Elektrolyse verändert sich die Lösung sichtbar und messbar:

Was bedeutet die ppm-Angabe?

ppm (parts per million) gibt an, wie viel Silber im Wasser gelöst ist – 10 ppm entsprechen 10 Milligramm Silber pro Liter. Die ppm-Zahl allein sagt jedoch wenig über die Qualität aus: Eine niedrige Konzentration mit sehr feinen Partikeln kann „hochwertiger“ sein als eine hohe Konzentration mit groben Partikeln. Wer die Konzentration exakt messen möchte, benötigt ein ppm-Messgerät (Leitwertmessung als grobe Orientierung, Laboranalyse für exakte Werte).

Der Haken an der Leitwertmessung: Ein TDS- oder Leitwertmessgerät misst die elektrische Leitfähigkeit, nicht das Silber. Es erfasst daher vor allem die Ionen – metallische Partikel tragen kaum zur Leitfähigkeit bei. Eine Lösung mit hohem Partikelanteil zeigt am Messgerät also einen zu niedrigen Wert an. Umgekehrt erhöht jede Verunreinigung im Wasser den Messwert, ohne dass mehr Silber enthalten wäre. Für die Praxis heißt das: Der Messwert taugt zur Wiederholbarkeit des eigenen Prozesses, nicht als absoluter Gehaltsnachweis.

Genau diese Unschärfe ist auch der Grund, warum die EFSA die Sicherheit von Silber als Lebensmittelzusatzstoff bislang nicht bewerten konnte: Ohne belastbare Angabe zu Partikelgröße und Ionenfreisetzung lässt sich nicht sagen, was ein Mensch überhaupt aufnimmt. Mehr dazu auf der SeiteSicherheit & Rechtslage.

FaktorEmpfehlung
ElektrodenFeinsilber 999 / 99,99 %
WasserDestilliert, aus der Apotheke oder Drogerie
KonzentrationTypisch 5–25 ppm
LagerungDunkel, in Braun- oder Violettglas
HaltbarkeitBegrenzt – deshalb in kleineren Mengen frisch herstellen
Symbolgrafik: fünf verbundene Ringe mit zunehmend gefülltem Fortschrittsbogen
Herstellung ist ein Prozess mit mehreren Stellschrauben. Wer Wasser, Spannung, Abstand und Dauer konstant hält, bekommt reproduzierbare Ergebnisse – wer eine Größe ändert, verändert das Produkt.

Typische Fehler

Eine konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitung und Hinweise zur Auswahl eines geeigneten Geräts finden Sie unterKolloidales Silber selbst herstellen.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. EFSA (2016): Scientific opinion on the re-evaluation of silver (E 174) as food additiveEFSA Journal 14(1):4364
  2. EFSA (2025): Follow-up of the re-evaluation of silver (E 174) as a food additiveEFSA Journal 23(4):9316
  3. BfR (2010): BfR rät von Nanosilber in Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs abBundesinstitut für Risikobewertung, Stellungnahme Nr. 024/2010 (PDF)

Die verlinkten Dokumente sind die Belege für die auf dieser Seite genannten Bewertungen und Rechtsgrundlagen. Zuletzt auf Erreichbarkeit geprüft am.